Offene Kirche Elisabethen

 

Die Elisabethenkirche ist die bedeutendste neugotische Kirche der Schweiz und steht unter eidgenössischem Denkmalschutz. Sie wurde von 1857 bis 1865 als erster evangelischer Kirchenneubau in Basel nach der Reformation erbaut. Die Kirche diente als Ersatz für eine kurz vor der Reformation errichtete Pfarrkirche, die ihrerseits auf die Spitalkapelle des 13. Jahrhunderts zurückgeht. Diese war der heiligen Elisabeth von Thüringen geweiht, der damals volkstümlichsten Vertreterin der Barmherzigkeit. (Siehe dazu auch den Elisabethenbrunnen in der Nähe der Kirche, gestaltet von Heinrich Rudolf Meili (1827-1882) nach einer Vorlage von Hans Holbein d.Ä.).

 

Der Stifter

Die finanziellen Mittel stammen vom Grossgrundbesitzer Christoph Merian (1800-1858). Merian war 1849 mit der Erbschaft des väterlichen Vermögens von 6,5 Millionen zum reichsten Mann in Basel geworden. Schon Zeit seines Lebens hat er verschiedenste Projekte finanziell unterstützt: Er hat eine Armenküche gegründet, bei einer Teuerung den Brotpreis künstlich verbilligt, hat das Waisenhaus gestiftet, zwei Münsterscheiben, das Missionshaus wesentlich mitfinanziert, einen Flügel des Bürgerspitals etc.

Bevor er am Ende seines Lebens sein gesamtes Vermögen der „lieben Vaterstadt Basel“ vermachte, hat er den Neubau für die Elisabethenkirche ausgeschrieben. Es sollte eine Kirche entstehen, an der nicht gespart werde und die „ein Mahnmahl gegen den Ungeist der Zeit und gegen die Entchristlichung der Gesellschaft“ darstellen sollte. Er wollte einen Monumentalbau mit Umgebungsanlage in mittelalterlicher Form, der 1200 Sitzplätze umfasst.

 

Der Aufbau

1856 wird aus einem nationalen Wettbewerb keiner der 16 eingereichten Arbeiten der erste Preis zugesprochen. Von den beiden zweitrangierten Entwürfen wird nach der Überarbeitung Ferdinand Stadler von Zürich mit der Ausführung betraut. Dieser gehört zu den erfahrensten Kirchenbaumeistern seiner Zeit. Die nach dem Vorbild des Kölner Doms eingerichtete Bauhütte wird von vielen Schweizer Architekten und Handwerkern als praxisnahe Ausbildungsstätte besucht. Von 1857 bis 1865 dauern die Arbeiten, die nach den Plänen Stadlers von Christoph Riggenbach und nach dessen Tod von Karl Wartner geleitet werden. Gleichzeitig entsteht, gestiftet durch Christoph Merian, an der Elisabethenstrasse 16 zwischen 1857 und 1859 von C. Riggenbach eine Kleinkinderschule. Das Pfarrhaus wird nach Vollendung der Kirche von Johann Jakob Stehlin zwischen 1865 und 1867 erbaut.

 

Die Kirche

Die neugotische Elisabethenkirche als dreischiffige gewölbte Hallenkirche mit Emporen, Frontturm (Osten) und polygonalem Chor (Westen), erfährt im Laufe der Planung und Ausführung vor allem im Innern unzählige Projektänderungen und Überarbeitungen. Das Äussere der Kirche aus grauem Sandstein wird, bedingt durch die Verwitterung, bereits 1895 bis 1899 renoviert.

Allgemein finden wir eine grosse Zurückhaltung im figürlichen Schmuck. Die Wasserspeier am Dach, das Giebelrelief über dem Haupteingang (Christus mit der Samariterin am Jakobsbrunnen), die Kanzel und die übrige Bauplastik wird von Jacques-Ange Corbel (Paris) gestaltet. Die Steinkanzel stellt den eigentlichen Kernpunkt der Kirche dar (Baldachin aus Holz, steinfarbig bemalt). Die Holzkanzel wird 15 Jahre später wegen der schwierigen Akustik eingebaut.

Boden: Marmorstreifen resp. Steinzeugplättchen in Muster gelegt. Deckengewölbe in Backstein gemauert. Beleuchtung: Ursprünglich Gas, Kandelaber und Wandarme später auf Elektrizität umgebaut. Geläute: 4 Glocken im C-Dur-Vierklang. Kupferdach. Der Turm ist 70,5 m hoch (Georgsturm des Münsters: 66,5m), hat eine Plattform auf 52,5 m und 228 Stufen.

Orgel: von Merklin Paris 1862 erbaut mit 29 Registern, 2800 Pfeifen. 1949 wird ein Umbau vorgenommen und das Orgelwerk mit 41 klingenden Registern ausgerüstet.

 

Die Scheiben

Die strahlend farbigen Chorfenster (Die Anbetung der Drei Könige, Kreuzigung und Auferstehung Christi) werden 1865 von den Gebrüdern Christian und Heinrich Burkard (München) in der ausserordentlich aufwendigen, heute kaum mehr nachvollziehbaren Schmelzfarbentechnik gestaltet. Das Glas wurde in vielen Schichten mit Emailfarben bemalt und wiederholt gebrannt. Unter jedem Bild findet sich eine weitere thematisch abgestimmte Szene in Grisaille. Am Fuss des Mittelfensters sind als einziger Hinweis auf die Stifter zwei Wappenschilder mit dem Text: „Christoph Merian und Margarethe Burckhardt, Gründer der Kirche“ eingelassen. Im Langhaus finden sich Doppelfenster mit Grisaillemuster und bunten Bordüren.

 

Die Krypta

Sie befindet sich unter dem Chor der Kirche und bildet als Kapelle den Vorraum zur Grabkammer der Stifter. Diese liegen in zwei schwarzen löwenfüssigen Marmorsarkophagen bestattet, hinter denen sich in zwei Spitzbogennischen ihre weiss-marmornen Portraitbüsten befinden: Christoph Merian 1859 von H.R. Meili, Binningen (Elisabethenbrunnen), Margaretha Merian-Burckhardt 1886 von Ferdinand Schlöth, (St. Jakobs-Denkmal) geschaffen.

 

Die spätere Geschichte

1968 entbrennt eine öffentliche Diskussion um den Abriss der Elisabethenkirche. Sie soll einem Parkhaus weichen. Nach der Erstellung der Lukaskirche 1973 fällt die Funktion als eigentliche Gemeindekirche weg, und sie wird von der Elisabethengemeinde nur noch sporadisch benutzt. 1975 erfährt sie durch den Neubau des Stadttheaters eine sehr gros-se Veränderung in Ihrem Umfeld. Die Kleinkinderschule wird abgebrochen, die Pfalz durch den Neubau verdeckt und die beidseits der Kirche herunterführenden Treppen aufgefüllt. Dadurch ist der Zugang zur Krypta und der Gruft nur noch durch einen Erschliessungsgang des Theaters möglich. 1978/79 wird eine Umnutzungsstudie für ein Musikinstrumenten-Museum (heute im Lohnhof) mit Konzert- und Vortragsmöglichkeiten erarbeitet (durch die Basler Denkmalpflege und den Regierungsrat abgelehnt). Nach verschiedenen Zwischennutzungen wird die Elisabethenkirche 1990 zur Durchführung einer vierjährigen Aussenrenovation (10 Mio SFr.) geschlossen.

 

Die Umgestaltung

Zum Zweck der heutigen Nutzung werden im Innern der Kirche verschiedene bauliche Massnahmen im Umfang von 0,5 Mio Sfr. getroffen, die die Christoph Merian Stiftung übernimmt. Ein Grossteil der Bänke werden im Kirchenestrich eingelagert, der Kirchenraum mit den restlichen Bänken und neugotischen Stühlen aus den Seitenschiffen neu möbliert. Dadurch wird eine flexible und vielfältige Nutzung des Kirchenraums möglich. Auf den Emporen werden die Bänke abgebaut und die abgetreppten Böden ausgeebnet, aus der Sakristei wird ein Aufenthaltsraum für den Präsenzdienst. In den zwei strassenseitigen Treppenhäusern wird eine Café-Bar mit Innen- und Aussenbestuhlung eingebaut, im andern Aufgang eine WC-Anlage. Die Elektro-Anlage wird an die neuen Bedürfnisse angepasst und eine Grundausrüstung für Licht und Ton installiert. Die übrige Ausstattung wie Kanzeln, Chorgestühl und Beleuchtungskörper etc. bleiben unverändert.

 

Die heutige Nutzung

Am 30.April 1994 wird die Elisabethenkirche wieder eröffnet und von der Evangelisch-Reformierten Kirche BS in einem Leihevertrag dem ökumenischen Verein Offene Kirche Elisabethen übergeben. Dieser betreibt die Elisabethenkirche nach dem Grundkonzept der City-Kirche als Werktagskirche. Es ist die erste City-Kirche der Schweiz und vielleicht eine der offensten Kirchen Europas. Sie ist Gotteshaus und Menschenhaus in einem, ein Ort für Stille und Ruhe, aber auch für das Fest und die Lebensfreude. Sie ergänzt mit ihrem Programm die Angebote der traditionellen kirchlichen Einrichtungen und belebt in Spannung zwischen Tradition und Zeitgeist alte und vergessene Traditionen wieder neu.