Peterskirche

 

Die grosse Orgel der Peterskirche nimmt mit ihrem seltenen Standort auf dem Lettner im Zentrum des Kirchenschiffs einen optisch und akustisch präsenten Platz in der Peterskirche ein. Das Eichengehäuse mit den Schnitzereinen, die Prospektpfeifen im Hauptwerk sowie einige weitere Pfeifen im Inneren der Orgel sind Originale aus der Werkstatt des Strassburger Orgelbauers Johann Andreas Silbermann (1770). Das Weitere des Orgelwerks mit seinen drei Manualen, Pedal und 33 Registern wurde 1968 von den Orgelbauern Neidhart und Lhôte, Neuchâtel, im neobarocken Stil gebaut.

 

Seit Sommer 2005 besitzt die Peterskirche eine Truhenorgel, die unten im Kirchenschiff steht und in Gottesdiensten und Konzerten gespielt wird.Sie wurde von der Orgelbauwerkstatt Bernard Aubertin, F-Courtefontaine, nach traditioneller orgelbauerischer Manier mit 4 geteilten Registern und einem Soloregister im Diskant gebaut. Die Motive der fünf Schnitzereien Einhorn, Blumenkorb, Portativ, Sonne und Sterne stehen in Bezug zur Peterskirche.

 

Zur Geschichte der Silbermann/Lhôte Orgel der Peterskirche

In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts hing eine Orgel an der Nordwand des Mittelschiffs über dem dritten Pfeiler (von Westen her). Sie wurde 1528/29 entfernt und durch eine neue ersetzt.1692 wurde eine “doppelte, neuverfertigte” Orgel in der Mitte der “Emporkirche” angebracht, die bereits 1711 durch Andreas Silbermann erneuert werden musste. Das Gehäuse stammte von J.J. Keller, der 1688 auch den Prospekt für die Leonhardskirche geschaffen hatte.1712 Fertigstellung der Orgel durch Andreas Silbermann:

 

“ein Werck, wie keines am gantzen Rheinstrom zu finden seyn solle”.

Der Zeitgeschmack des 19. Jahrhunderts ist dafür verantwortlich, dass heute ausser wenigen Pfeifen nichts mehr von dieser prachtvollen Orgel vorhanden ist.

 

1895 rstellte die Firma Goll eine neue Orgel mit 26 Registern in einem neugotischen Gehäuse. Die eine Klangentfaltung hindernde Aufstellung des Pfeifenwerks, eine in allzu romantischem Geist gehaltene Disposition und die ausgediente Mechanik liessen es 1962 als zweckmässig erscheinen, ein vollständig neues Werk zu planen. 1968 Erstellung der neuen Orgel durch die Orgelbauwerkstatt Neidhart & Lhôte, Orgelbauwerkstatt aus St. Martin/Neuchâtel. Das Gehäuse mit den alten Prospektpfeifen stammt von Johann Andreas Silbermann und wurde 1770 für die Theodorskirche gebaut (ursprünglich 30 Register auf 3 Manualen und Pedal). 1916 wurde die Orgel dort abgebrochen und nach St. Imier verkauft, das Rückpositiv ging in Privatbesitz über. 1951 konnte Das Historische Museum Basel beide Teile erwerben und stellte sie in der Barfüsserkirche auf. Dank den Verhandlungen zwischen der Denkmalpflege (Dr.A.Knoepfli und Fritz Lauber), den Museumsdirektoren Prof.Dr.H.Reinhardt und Dr.H.Lanz, und der auf grosser Erfahrung mit alten Orgeln beruhender Planung von Georges Lhôte konnte das wertvolle Gehäuse als Depositum gewonnen und in der Peterskirche spielbar gemacht werden.

 

Disposition:

Hauptwerk

Quintatön 16 ’
Prinzipal 8 ’
Rohrgedeckt 8 ’
Oktave 4 ’
Spitzflöte 4 ’
Quinte 2 2/3 ’
Oktave 2 ’
Mixtur 5-6fach 1 1/3 ’
Trompete 8 ’
Clairon 4 ’

Pedal

Prinzipal 16 ’
Subbass 16 ’
Oktavbass 8 ’
Oktave 4 ’
Mixtur 4 fach 2 2/3 ’
Posaune 16 ’
Trompete 8 ’
Singend Cornett 2 ’

Rückpositiv

Metallgedeckt 8 ’
Prinzipal 4 ’
Rohrflöte 4 ’
Gemshorn 2 ’
Sesquialtera 2 2/3 ’ und 1 3/5 ’
Scharf 4 fach 1 ’
Krummhorn 8 ’

Brustwerk

Holzgedeckt 8 ’
Blockflöte 4 ’
Prinzipal 2 ’
Larigot 1 1/3 ’
Sifflöte 1 ’
Glockenzimbel 2 fach 1/2 ’
Vox humana 8 ’

 

Tremulant
Koppeln RP-HW BW-HW
HW-P RP-P BW-P
Traktur mechanisch, Schleifladen
Registertraktur mechanisch
Beratung und Disposition Victor Schlatter, Grossmünsterorganist Zürich

Planung und Mensurierung Georges Lhôte, Genève

Ausführung Joseph Neidhart, Orgelbau, St. Martin, NE Intonation Christoph Linde

Restaurierungsarbeiten am alten Gehäuse und Erstellung des neuen Pedalgehäuses Schreinerei Voellmy und Co.

 

Truhenorgel: